Interview mit L. A. Sanchez, Leiter der Bibel Liga in Kolumbien

Quelle: Bibel Liga
Er ist 43 Jahre, verheiratet mit Clemira und hat 3 Kinder. Luis Alberto lebt in Bogota. Seit 4 Jahren leitet er den kolumbianischen Zweig der Bibel Liga.
Was hast Du gearbeitet bevor Du zur Bibel Liga gekommen bist?
Ich arbeitete als Generaldirektor eines international agierenden Anbieters für IT-Schulungen in Bogota und unterrichtete an der Universität Betriebswirtschaftslehre. Meinen Job als Generaldirektor verlor ich, weil ich mich weigerte, bei einem millionen- schweren Bieterwettbewerb unlautere Mittel einzusetzen. Das jähe Karriereende hatte etwas Gutes. Ich war frei und bereit, vollzeitlich für die Bibel Liga zu arbeiten.
Welchen Gefahren bist Du als Leiter der Bibel Liga in Kolumbien ausgesetzt?
Den ganz normalen Gefahren eines Leiters. Ich denke an Eifersucht, Neid und Selbstüberschätzung.
Was ist der Leitspruch für Dein Leben?
„Sei heute treu.“
Wie gestaltest Du Deine Stille Zeit?
Ich rufe mir jeden Morgen ins Gedächtnis, dass ich eine Rebe am Weinstock Jesu bin und ohne ihn nichts geistlich Bedeutsames machen kann. Dann bete ich und lese sein Wort.
Wie groß ist der Bibelmangel in Kolumbien?
In den evangelikalen Stadtgemeinden haben fast alle eine Bibel. Aber in den Gemeinden auf dem Land haben nur drei von zehn Christen eine eigene Bibel. Von denen, die noch keine Kinder Gottes sind, hat vermutlich nur jeder Vierte ein eigenes Exemplar der Heiligen Schrift.
Lesen die Christen in den Gemeinden viel in der Bibel?
Leider nein. Die Gemeinden geben uns jedoch das Feedback, dass gerade unsere Jüngerschaftskurse eine große Hilfe sind, Freude an Gott und seinem Wort zu kultivieren.
Warum ist Gemeindegründung in Kolumbien wichtig?
Die Gemeinde ist der Leib von Jesus. Bisher sind in Kolumbien vermutlich erst 10 % der Bevölkerung Nachfolger Jesu. Um den 90 %, die Jesus noch nicht kennen, zu zeigen wie Gott in Menschen wirkt, brauchen wir mehr Gemeinden.
Begegnung mit drei außergewöhnlichen Männern

Quelle: Bibel Liga
Bogota ist groß. In der Hauptstadt Kolumbiens leben 8 Millionen Menschen. Gemeinsam mit Volker Palm und Norbert Wurster tauchte ich im März in diese Metropole ein.
In nur 4 Tagen sahen wir viel. Luis Alberto, der Leiter der kolumbianischen Bibel Liga, hatte ein straffes Besuchsprogramm organisiert. Wir waren bei 12 Gemeinden eingeladen. Das bedeutete viele Fragen, viele Fotos, viele Erlebnisberichte und viel guten Kaffee. Jeder Leiter hat auf seinem Weg mit Jesus besondere Erfahrungen gemacht. Alle sind mit Leidenschaft und großen Erwartungen am Werk. Speziell die Begegnungen mit Hans, Rigoberto und Carlos haben bei mir einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.
Hier ihre Geschichten:
Hans arbeitet seit 20 Monaten vollzeitlich für eine Gemeinde. Er ist ein alleinstehender junger Mann, der eine gute berufliche Karriere bei einer angesehenen Bank in Bogota vor sich hatte. Nach einem Bibel Liga Seminar forderte ihn Jesus persönlich heraus, sein bisheriges Berufsfeld zu verlassen. Am Tag seiner Kündigung wurde er schwer auf die Probe gestellt. Einbrecher räumten das frisch renovierte und liebevoll eingerichtete Gebäude seiner Gemeinde leer. Doch für Hans war das kein Grund zur Resignation, sondern eine Bestätigung für seinen Dienst. Er sagte: „Wenn es hier so finster ist, wird unser Engagement als Gemeinde dringend gebraucht.“ Inzwischen koordiniert er 42 Bibelstudiengruppen mit insgesamt 400 Teilnehmern. Er will weitere Gemeinden gründen. Darüber hinaus setzt er sich für einen Schulneubau und die Vergabe von Kleinstkrediten zur Existenzgründung ein. Sein Leitvers steht in Johannes 14,12-13: „Wer an mich glaubt, wird dieselben Dinge tun, die ich getan habe, ja noch größere, denn ich gehe, um beim Vater zu sein. Ihr dürft in meinem Namen um alles bitten, und ich werde eure Bitten erfüllen, weil durch den Sohn der Vater verherrlicht wird.“
Rigoberto ist seit 25 Jahren Bauunternehmer. Sein Sohn wurde vor 4 Jahren bei einem Raubüberfall ermordet. Dies führte ihn in eine tiefe Glaubenskrise. Aber auch zu einer neuen Lebensberufung. Er gründete eine Gemeinde in einem problembeladenen Stadtteil, in dem Drogendealer ihr Unwesen treiben. Hier leben viele alleinerziehende Mütter, Kinder verdienen in Steinbrüchen beim Sandabbau ein kleines Zubrot. Heute besuchen die Gemeinde mehr als 30 Erwachsene und viele Kinder. Alle haben von Projekt Philippus – unserem missionarischen Bibelprogramm – profitiert. Inzwischen wurde sogar schon ein neues Gemeindeprojekt ein paar Kilometer weiter gegründet.
Carlos ist Buchhalter. Vor knapp einem Jahr wurde er mit seiner Frau von Bekannten zum Kaffee eingeladen. Ihre Freunde wohnen in einem der sozialen Brennpunkte Bogotas. In den nächsten Wochen war er häufig dort. Besuchte einige Familien. Vielfach wohnen sechs Personen auf engstem Raum. Nicht selten fand Carlos zerrüttete Familienverhältnisse vor. Er entdeckte in sich die Barmherzigkeit Jesu. Carlos gewann die Überzeugung, dass er gerade hier eine Gemeindearbeit beginnen sollte. Er mietete mit seinem Privatvermögen den unteren Teil eines Hauses und gibt dort Nachhilfe für Kinder. Zwei Mitarbeiterinnen helfen ihm dabei. Jetzt findet zwei Mal in der Woche mit Unterstützung der Bibel Liga eine Kinderbibelschule statt. Die Kinder kommen begeistert. Sie lieben Carlos. Er ist ein wahrhaftiger Jünger Jesu.
Drei Männer, ein Land, ein Glaube.
Jesus baut seine Gemeinde in
Kolumbien.
Ex-Terroristin leitet Bibelgruppen
Viele ihrer Geiseln flehten um ihr Leben. Doch vom Hass zerfressen tötet Elka auf ihren Raubzügen immer weiter. Als Guerillakämpferin zieht sie durch Kolumbien und verbreitet Angst und Schrecken. Sie mordet. Löscht Familien aus. Nimmt Geiseln und erpresst die Reichen. Nach zwanzig Jahren voller Hass begegnet sie der heilenden Liebe Jesu.
Das Leben scheint verheißungsvoll für Elka. Frisch verheiratet lebt sie mit ihrem Mann unter der Sonne Kolumbiens. Ihre Arbeitgeber - die kolumbianische Mafia. Der Anbau von Kokain ernährt die junge Familie. Das Leben scheint es gut mit ihr zu meinen. Bis zu dem Tag, an dem Elkas Mann von den Hügeln der Klatschmohnplantagen nicht mehr wiederkehrt. Umgebracht von der Mafia. Seine Arbeitgeber bringen ihm den gewaltsamen Tod. In ihrer unendlichen Trauer bezahlt Elka einen Killer, der die Mörder ihres Mannes umbringt.
Unfähig den Verlust ihres Mannes zu begreifen, erfüllt Hass die Seele der jungen Witwe. Dieser Hass sucht sich ein Ventil: Elka schließt sich einer Gruppe Guerillakämpfern an und machte bald eine steile, aber bittere Karriere. Getrieben vom Zorn wird sie Leiterin einer Einheit von 35 Männern. „Es ist nicht ungewöhnlich, dass Frauen Einheiten führen“, erinnert sie sich, „ich traf viele Frauen, die aggressiv und erbarmungslos kämpften“. Elka ist eine der Erfolgreichsten unter ihnen. „Ich war bekannt als eine hasserfüllte Frau, ich wurde so von meinem Hass getrieben, dass ich bei unseren Angriffen für jeden, der mir in die Quere kam, lebensgefährlich war. Normale Gefühle unterdrückte ich total.“ Elka und ihr Team gehen auf Raubzüge, töten „so viele, dass ich keine genauen Zahlen sagen kann.“ 20 Jahre verbringt Elka in Verstecken und geheimen Lagern, immer unterwegs. Sie überfällt ahnungslose Mitbürger und reißt Menschen und Besitztümer anderer in ihre Gewalt. Sie ist gefürchtet, gehasst und als gnadenlose Mörderin bekannt.
Dann aber wird Elka krank. Eine Frau besucht sie. Diese Frau spricht von Frieden und Heilung, Begriffe, die in Elkas Leben bis dahin nur Fremdwörter waren. Sie gibt Elka eine Bibel zum Lesen und lädt sie zum Gottesdienst ein. „Als ich die Psalmen las, spürte ich, wie etwas mit mir geschah“ berichtet Elka, „ich wollte unbedingt mehr über dieses Buch wissen.“ So sucht sie diese Frau auf und bittet um einige Erläuterungen. Daraufhin erhält Elka Tag für Tag Besuch von der Frau, die ihre Ausbildung durch die Bibel Liga erhielt. „Zum ersten Mal beschämte mich mein Leben, das von Gewalt erfüllt war.“ Selbst als Elka von ihrer schwarzen Vergangenheit berichtet, schreckt ihre Besucherin nicht zurück, sondern weint vielmehr mit Elka zusammen über das Geschehene. „Da erkannte ich, dass diese Frau mir die Liebe Jesu zeigt.“ Was für Elka unbegreiflich ist, tritt ein: Die Gnade Gottes vergibt ihr alle Sünden der Vergangenheit. "Mir, einer Sünderin sollte Gott verzeihen?" Doch ihre treue, christliche Freundin weist sie immer wieder auf Gottes Wort hin. Auf seine heilige Gnade. Auf seine Liebe und auf die völlige Vergebung aller Schuld durch Jesus Christus.
Gott schenkte der vom Hass geschundenen Seele Elkas den lang ersehnten Frieden. Ein neues Leben begann. Sie ging zu ihren Guerilla-Führern und erzählte ihnen von ihrem neu gewonnen Glauben an Christus. Da sie ihnen 20 Jahre treu gedient hatte, ließen sie Elka in Frieden ziehen. „Gott hat mein Leben wieder völlig hergestellt!“ Das ist heute ihr Bekenntnis. Überall erzählt sie von der rettenden Liebe Christi. Denn sie weiß, wovon sie redet. Ihr, der gefürchteten Guerillakämpferin, schenkte er seine Liebe.
Im Fadenkreuz der Angst - Zwischen Drogenbossen und Waffenhändlern

Sie entführen Menschen, um Lösegeld zu erpressen. Sie erschießen Geiseln, für die nicht bezahlt wird. Sie bedrohen Einheimische mit Vertreibung oder Tod, wenn nicht ein monatliches Schutzgeld gegeben wird. Sie haben Verbindungen zu Drogenbossen, Waffenhändlern und zum organisierten Verbrechen. Vor über 40 Jahren begann der Guerillakrieg. Linke Guerillas (revolutionäre Befreiungskämpfer) und rechte Paramilitärs auf der einen Seite, Regierungskräfte auf der anderen. Über 2 Mio. Vertriebene und mehr als 200.000 Menschenleben forderte bisher der inzwischen rein kriminell motivierte Bandenkrieg.
Heute leben Tausende von Guerillas in den Bergen von Kolumbien. Hier ist auch das Missionsfeld von Maria. „Ich betete zu Gott um eine Möglichkeit, dass Gottes Wort zu den Menschen in den Bergen kommt. Gott machte mir klar, dass ich gehen sollte“, sagte Maria, eine Gemeindegründerin der Bibel Liga. „Also ging ich mutig hinauf in die Berge, um den Menschen von Jesus zu erzählen.“ Maria kam zu einer kleinen Gebirgsstadt und lud alle, die sie traf, zu einer Veranstaltung ein, um Gottes Wort zu hören. An diesem Abend kamen 120 Menschen! Sie predigte über Römer 6,23 und fünf Menschen nahmen Jesus als ihren Retter an! Unter den Zuhörern waren auch einige Guerillas, die Maria während der folgenden Wochen sehr genau beobachteten. „Jeden Tag wurde ich von den Guerillas ausgefragt, warum ich in dieser Stadt in den Bergen sei und was ich hier wolle“, erzählt sie, „Jeden Tag antwortete ich, dass ich hier sei, um das Wort Gottes zu predigen, weil die Menschen Jesus brauchen. Jeden Tag sagte ich ihnen, dass auch sie das Evangelium von Jesus Christus brauchen.“ Nach und nach akzeptierten sie Marias Anwesenheit in „ihren“ Bergen, allerdings nur unter einer Bedingung: Sie musste politischen Zielen gegenüber neutral bleiben. Dies schloss ein, keinen Kontakt zu feindlich gesonnenen Gruppen aufzunehmen. Sie sollte weder der Polizei noch irgendwelchen Behörden über den Kontakt mit ihnen berichten. „Sobald ich diese Bedingungen verletze, töten sie mich“, erzählt Maria ganz offen. Sie gewann das Vertrauen der Guerillas und durfte schließlich 25 Städte des Gebirges besuchen, die unter ihrer Kontrolle waren. „Sie kennen mich und ich kann frei kommen und gehen. Ich kann offen evangelisieren“, sagt Maria. Seither hat sie in diesen von Guerillas kontrollierten Bergen 15 Gemeinden gegründet. Durch Marias Leben, das die Liebe Jesu und die Wahrheit des Wortes Gottes bezeugt, haben sich die verhärteten Herzen einiger Guerillas geöffnet. Maria sagt: „Wenn Guerillas hören, dass es einen Gott gibt und dass dieser Gott sie liebt, so ist das wirklich eine gute Nachricht für sie. Wenn sie zum ersten Mal hören, dass Gott in Liebe an sie denkt, scheint es sie weich zu machen und sie sind bereit, weiter zuzuhören.“ Maria schätzt, dass sie etwa 150 Guerillas zu Jesus geführt hat. Diese stecken jedoch in einem Dilemma. Um Jesus nachzufolgen, müssen sie mit dem Töten aufhören. Sie müssen die Organisation und die Berge verlassen. Dies wird aber als Verrat angesehen und es kann sie teuer zu stehen kommen. „Ich selbst kenne Guerillas, die nicht einmal Zeit hatten aus den Bergen zu fliehen, nachdem sie Jesus als ihren Retter angenommen hatten. Sie wurden umgehend von anderen Guerillas ermordet“, sagt Maria. „Der Preis ist wirklich sehr hoch, aber preist Gott, es gibt einige, die bereit sind ihn zu bezahlen, um ewiges Leben mit Christus zu erlangen.“ (2005/01)




