Von Schutt begraben – zum Leben erwacht

Das neue Jahrzehnt war gerade einmal 12 Tage alt, als ein Erdbeben Haiti erschütterte und mehr als 300.000 Menschenleben forderte. Noch immer leben bis zu einer Million Haitianer in provisorischen Zeltstädten. Doch gerade dort bewirkt Gott Mächtiges durch sein Wort und seine Boten. Auch mitten in der Katastrophe war Gott da. An jenem Tag im Januar, als die Erde bebte, war Berline zu Besuch bei einer Freundin. Sie erinnert sich: „Ich hatte vorher schon davon gehört, dass es Gott gibt und dass er Mächtiges tun kann, aber an diesem Tag habe ich es am eigenen Leib erfahren. Ich war unter einem Berg von Schutt begraben. Doch Gott hat mir das Leben neu geschenkt – trotz meiner Schuld und meines gottlosen Lebensstils.“ Eine frisch ausgebildete Bibelgruppenleiterin lud Berline ein, gemeinsam mit anderen die Bibel kennenzulernen. „Die Leiter der Gemeinde studierten mit uns Gottes Wort und gaben uns Bibeln“, so erzählt sie. „Der Pastor der Gemeinde war sehr geduldig. Er ermutigte mich immer wieder, die Bibel zu lesen und Gott darin zu entdecken. Heute bin ich Gott sehr dankbar, mein ganzes Leben habe ich ihm anvertraut.“ Berline ist sich sicher: „Mein Leben hat sich völlig verändert. Inmitten dieses schrecklichen Erdbebens bin ich Jesus Christus begegnet. Dank sei Gott!“
„Nach dem Erdbeben bis zum Ende des Jahres“, berichtet Jean Bilda Robert, der Leiter der Bibel Liga in Haiti, „konnten wir mehr als 17.000 einheimische Gemeindemitglieder zu Bibelkursleitern schulen. Diese gingen in die Zelt-Camps und führten mit über 50.000 Flüchtlingen einen einfachen evangelistischen Bibelkurs durch. Darüber hinaus absolvierten 95 Gemeindegründer eine Ausbildung und pflanzten 50 neue Gemeinden. Ich kann Gott nur preisen: Er erwies das ganze Jahr über so viel Güte und Gnade!“
Gemeindegründer statt Voodoo-Priester

Für René war die Zukunft vorbestimmt: Wie sein Vater und auch schon sein Großvater würde er ein Priester des Voodoo-Kultes werden. Die Familien- tradition sollte weiter geführt werden. Dieser Kult war seine Welt. Er hatte nichts anderes gelernt.
Doch in seinem Herzen spürte er, dass es mehr gab als Traditionen und Zeremonien. Als er wieder einmal an einer Voodoo-Zeremonie teilnahm, befahl ihm der Priester, dem Voodoo-Geist „Ogouferay“ zu opfern. „Wenn du dich weigerst, wirst du als Landstreicher enden“, warnte er.
Eines Tages hörte er während einer Taxifahrt einer Radiosendung zu. Jemand las aus der Bibel und das, was er hörte, bewegte sein Herz sehr. Er hörte, dass Jesus Christus die Menschen frei gemacht hat – nein, er wollte nicht länger ein Sklave sein. René suchte einen Christen auf und bat ihn, ihm mehr über das neue Leben mit Jesus zu erzählen. Dieser Christ war ein von der Bibel Liga geschulter „Philippus“, und so erfuhr René durch einen Bibelkurs, dass Gott ihm alle Schuld vergibt und ihn annimmt. Nach und nach ließ er sich alle Schuld und Last abnehmen. Schließlich wurde er ganz frei vom Zauber des Voodoo-Kultes.
René ist kein Landstreicher geworden! Er ließ sich von der Bibel Liga zum Gemeindegründer ausbilden und leitet in seinem Dorf eine Gemeinde. Er und seine neue Familie sind ein Zeugnis des Lichtes und der Liebe und erfahren großen Segen, der sich herumspricht. So kann er auch anderen Menschen in Port-au-Prince den Weg in die Freiheit zeigen.
Kein Sklave mehr

Das Leben von Ricardo war von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Im Umfeld von Port-au-Prince in Armut geboren, gab es für ihn kaum Aussicht auf Veränderung. Seine Eltern schickten ihn zwar zur Schule und lehrten ihn, was gut und was böse sei. Doch Ricardo suchte seinen eigenen Weg. Mit 18 war er in Drogengeschäfte und Prostitution verwickelt und suchte die Konfrontation mit allen, die er für die Ungerechtigkeit der Gesellschaft verantwortlich machte. Gewalt war seine Welt. Er verletzte, vergewaltigte und tötete.
Bis er Bildá traf, den Direktor der Bibel Liga in Haiti. Dieser erzählte dem verzweifelten jungen Mann von Jesus, der aus ihm einen neuen Menschen machen könnte. Ricardo war sich gewiss, dass sein „alter Mensch“ keine Zukunft hat. Deshalb hörte er den hoffnungsvollen Ausführungen seines neuen Freundes zu. Er brauchte einige Zeit, bis er erkannte, dass Gott ihn liebte und ihm einen neuen Anfang schenken wollte. Er glaubte Jesus und erlebte Reinigung und Erneuerung. „Heute bin ich nicht mehr ein Sklave von Drogen oder Alkohol. Man hat keine Angst mehr vor mir. Ich bin so dankbar!“ sagt Ricardo.
Inzwischen ist er im Glauben gewachsen und ist befreit von seiner Vergangenheit. Heute gebraucht ihn Gott, um anderen Haitianern Hoffnung zu bringen, die ohne Chance und voller Hoffnungslosigkeit ihr Heil in Gewalt und Chaos suchen.




