Täglich mit einem Fuß im Gefängnis

Schwester Orchid lebt auf dem Land. Die meisten Bauern in ihrer Provinz müssen ihre Familien mit weniger als 200 Dollar Jahreseinkommen durchbringen. „Ob sie satt werden, hängt vom Wetter ab“, erzählt Orchid. „Wenn es nicht genug regnet, gibt es oft auch nicht genug zu essen. Viele Familien haben kein sauberes Trinkwasser und keine Elektrizität. Da die Gegend sehr entlegen und das Straßennetz schlecht ausgebaut ist, können sie auch nicht mit Unterstützung von außen rechnen.“
Orchid erhielt ihre Ausbildung zur Missionarin durch die Bibel Liga. Sie ist Teil eines Teams, das gerade in dieser armen Region ein Netzwerk mit hundert Hausgemeinden leitet. Ihre Arbeit ist gefährlich; immer wieder werden die Gemeinden von der Polizei beschattet. Die Hälfte der lokalen Gemeindeleiter war schon mindestens einmal im Gefängnis. Oft stürmt die Polizei die Versammlung und beschlagnahmt alles, was sie finden kann: Stühle, Bänke, Tische und vor allem Bibeln. Auch Orchid wurde bereits zweimal inhaftiert und musste auf behördliche Anordnung hin ihr Heimatdorf verlassen. Wenn sie es wagt zurückzukehren, muss sie mit einer erneuten Inhaftierung rechnen. Aber Orchid lässt sich nicht einschüchtern und verkündigt Jesus, wo immer sie nur kann.
Orchid leitet heute ein Trainingszentrum der Bibel Liga. Dort bildet sie Männer und Frauen aus, die wie Xi Ming bereit sind, Gottes Wort unerschrocken zu predigen.
Xi Ming arbeitet als Pastor. Er reist oft in entlegene Dörfer, um dort von Jesus zu erzählen. Das ist laut chinesischem Gesetz nicht erlaubt. In einem Dorf hielt Xi Ming gerade eine Versammlung ab, als die Polizei das Gebäude stürmte. 40 Personen wurden verhaftet. Später kamen 21 von ihnen wieder frei. Auch Xi Ming wurde freigelassen, aber die Polizei beschlagnahmte seine Tasche mit einer Liste aller Kinder, die zur Sonntagsschule gehörten.
Xi Ming war beunruhigt, denn diese Liste konnte die ganze Gemeinde in Gefahr bringen, weil sie ein Beweis dafür war, dass die Kinder mit dem Evangelium bekannt gemacht wurden. Dies ist in China strafbar. Xi Ming ging zur Polizeistation zurück, um die Tasche zurückzufordern. Die Polizisten durchsuchten diese und fanden die Liste. Sie gaben ihm zu verstehen, dass dies wohl Beweis genug sei, ihn anzuklagen. Xi Ming bat Gott um Weisheit. Er reagierte ganz ruhig und erklärte den Polizisten, dass seine Liste eine Gebetsliste sei und dass viele Christen für die nächste Generation beten würden. Das erschien den Polizisten plausibel und sie ließen Xi Ming wieder gehen.
Beten Sie für die Leiter und Prediger in Chinas Kirche. Viele von Ihnen müssen wegen ihrer Treue zu Jesus immer wieder mit Verhören und Inhaftierungen rechnen.
Auch Folter kann ihre Liebe zu Jesus nicht auslöschen

Wenn man Shu-Ming trifft, fallen einem unwillkürlich ihre Hände auf. Sie sind stark deformiert, aber das war nicht immer so.
Shu-Ming berichtet selbst: "In den 60er Jahren war die Polizei in China brutal. Eines Tages kamen sie an meine Tür. Sie stießen mich beiseite und durchsuchten meine Wohnung. Sie zerrissen Bücher, Fotos und viele wertvolle Andenken. Sie suchten nur eins: Bibeln. Unter meinem Herd fanden sie eine. Sie hätten mich gleich töten können, aber statt dessen lachten sie nur. "Gib dieses dumme Buch auf", forderten sie. Als ich mich weigerte, schleppten sie mich auf einen großen freien Platz in der Stadt. Vor einer Menschenmenge rissen sie mir das Kleid vom Leib, so dass ich nackt da stand. Ich presste die Bibel an meine Brust und senkte den Kopf. Die Soldaten meinten, ich sei beschämt, aber in Wirklichkeit betete ich. Drei Stunden lang lachten die Soldaten mich aus und spuckten mich an. Sie traten mir in den Rücken, so dass ich vornüber in den Dreck fiel. Als ich vor Schmerzen stöhnte, fing einer von ihnen an, mit einem Bleirohr auf meine Hände zu schlagen. Das waren die schlimmsten Schmerzen, die ich je hatte. Sie schlugen mich wieder und wieder, bis meine Hände gefühllos waren. Die Bibel fiel aus meinen Händen in den Schmutz. Das war das letzte Mal, dass ich eine Bibel in Händen hielt."
35 Jahre danach sind Shu-Mings Hände immer noch deformiert, aber wenigstens kann sie doch wieder eine Bibel halten. Auf einer belebten Straße einer chinesischen Stadt legt ihr ein Mitarbeiter der Bibel Liga ein Paket mit Bibeln in die Arme. Shu-Ming ist unfähig, ihren Dank auszudrücken. Tränen strömen über ihr Gesicht. Sie lächelt, verbeugt sich und verschwindet im Gewimmel der Menschenmenge. Gottes Wort hält sie so fest an sich gepresst wie damals vor 35 Jahren.
Die Bibel für 500 Mio. Kinder und Jugendliche

Seit den siebziger Jahren verfolgt die kommunistische Regierung in China eine „Ein-Kind-Politik“, doch die Bevölkerung wächst stetig weiter. Inzwischen zählt die chinesische Nation 1,3 Milliarden Menschen, wovon mehr als 500 Mio. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sind. Wie sieht die derzeitige Situation in China aus? Der Wunsch vieler Eltern nach einem Jungen (Mädchen werden abgelehnt) ließ die Abtreibungsrate auf 10 Mio. pro Jahr ansteigen. Während Familien mit nur einem Kind finanziell belohnt werden, müssen Familien mit mehreren Kindern hohe Geldstrafen zahlen. Auf dem Land leben Familien oft in großer Armut. Dies führt dazu, dass viele Eltern auf der Suche nach Arbeit in die Städte ziehen und ihre Kinder in der Obhut von Freunden oder Großeltern zurücklassen. „Liu schu“ nennt man diese Kinder – „die Zurückgelassenen“. Sie wachsen ohne ihre Eltern auf. Aber Gott findet Wege, um diesen Kindern Geborgenheit und ein Zuhause zu geben. Mutige Christen aus dem eigenen Land schenken und erklären ihnen die Bibel. Die Kinder erfahren, dass Gott sie liebt und sie nicht allein sind. In der Stadt dagegen wachsen die Kinder in einer völlig anderen Welt auf. Sie werden von ihren karrieresüchtigen Eltern verhätschelt und verwöhnt und mit teuren Kleidern, Spielsachen und Süßigkeiten überschüttet. Man nennt sie auch „xiao taiying“ – „kleine Sonne“, da sie wie die Sonne Zentrum ihres kleinen Universums sind. Auch hier findet Gott Wege, um diese Kinder zu erreichen. Die Bibel Liga hat eine illustrierte Kinderbibel herausgegeben, die von den Kindern gern gelesen wird und oft sogar die Eltern erreicht. „Viele Mütter und Väter staunen über die Veränderung ihrer Kinder und kommen auf diesem Weg selbst zum Glauben. Wir arbeiten auf das Ziel zu, dass eine ganze Generation lernt, Gott zu vertrauen,“ berichtet unser China-Leiter. „Bitte betet mit uns, dass mit den neuen Kinderbibeln viele „junge Herzen“ erreicht werden, egal ob sie verlassen auf dem Land oder verwöhnt in der Stadt leben. Bitte helft uns, noch mehr Kinderbibeln zu drucken.“ Wie sähe die chinesische Gesellschaft wohl aus, würde ein großer Teil der jungen Generation Jesus nachfolgen?
Für China beten

Wofür Sie beten können:
- Beten Sie für Tausende reisender Evangelisten, die durchs Land ziehen,um Menschen das Evangelium von Jesus zu bringen. Viele sehen ihre Familien monatelang nicht.
- Beten Sie für die Ausbildung und Ausrüstung von Gemeindeleitern, um dem gravierenden Mangel an geistlichen Leitern und der fehlenden Bibelkenntnis unter den Gläubigen entgegen zu wirken. Viele Christen stehen in der Gefahr, von christlichen Irrlehrern verführt zu werden.
- Beten Sie für mehr als 40 Mio. Christen ohne eigene Bibel. Beten Sie für eine effektive Bibelverbreitung vor allem in den ländlichen Gebieten.
- Beten Sie für die 23 Mio. Kinder, die von ihren Eltern auf dem Land bei Bekannten zurückgelassen wurden, um Arbeit in den Städten zu finden.
- Beten Sie um Glaubenskraft, Trost und Freude für verfolgte Christen der Hausgemeinden angesichts zermürbender Verhöre, wiederholter Geldstrafen, Schlägen, Gefängnis, Arbeitslager, Beschlagnahmung von Inventar und Bibelliteratur.
- Beten Sie um Schutz für die Bibelkuriere und die geheimen Bibeltransporte.
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Leidenschaft braucht Fundamente

Quelle: Bibel Liga
Seit Beginn ihrer Arbeit 1979 in China weiß sich die Bibel Liga dem Auftrag verpflichtet, vor allem den bedürftigen, nicht registrierten Gemeinden auf dem Land zu dienen. Man kann davon ausgehen, dass ihre Leiter keinerlei formale theologische Ausbildung vorweisen können. Schon das Fehlen von Bibeln bereitet genug Probleme für die Gläubigen, doch der Mangel an Studienbibeln und grundlegendem Lehrmaterial macht sich zusätzlich schmerzlich bemerkbar. Das geistliche Fundament der Gemeinden ist oft brüchig, das geistliche Lebens haus vieler Christen einsturzgefährdet. Inzwischen kommt eine weitere Herausforderung hinzu: der Generationenwechsel.
Br. Daniel, unser Leiter in China schreibt: „In den nächsten 10 Jahren steht ein Generationenwechsel an. Die geistlichen Patriarchen der Gründerzeit sind alt geworden. Die zweite Leitergeneration muss aus gerüstet werden, einer schnell wachsenden Kirche Wegweisung und geistliche Nahrung zu geben, damit die Gemeinde auf soliden biblischen Grundlagen aufgebaut ist. Und das um so mehr, je mehr China sich modernisiert und junge Gläubige bisher nie dagewesenen Versuchungen und Angeboten der Konsumwelt ausgesetzt sind. Wenn wir ihnen nicht helfen, werden die Sekten es tun. Gemeinsam mit Leitern arbeiten wir an neuen Strategien für Evangelisation und Jüngerschaft, unterstützen aber auch die Leiter selbst, in dem wir Beratung und Förderung an bieten, wo immer nötig und möglich.“
Auf dem Hintergrund dieser Einschätzung sind wir unserem gemeinsamen Herrn dankbar für alles, was im zurückliegenden Jahr 2009 an Grundhilfe möglich war: Als internationale Bibel Liga konnten wir für China trotz Wirtschaftskrise 237.096 Bibeln, 90.399 Studien bibeln und 50.947 Neue Testamente bereit- stellen, dazu über 1 Mio. Bibelstudienhilfen. Wie schon in den Jahren zuvor profitierten vor allem Christen in entlegenen Regionen im Nordosten und Nordwesten Chinas davon; speziell mit Studienbibeln versorgten wir Leiter in den Provinzen Guizhou (SW-China), Sichuan (Zentr.-China) und Anshui (O-China). Erfreulich auch: 49.924 Christen ließen sich schulen, Gottes Wort missionarisch zu verbreiten.
Freiheit oder Verfolgung

Quelle: Bibel Liga
Werden Christen in China verfolgt oder können sie ihren Glauben frei gestalten? Nach wie vor herrscht in China das Prinzip der Macht über dem Prinzip des Rechts. Das gilt für die Menschen- rechte im Allgemeinen wie für die Religionsfreiheit im Besonderen. Nach wie vor ist christliche Kinder- und Jugendarbeit offiziell untersagt, ebenso das Evangelisieren außerhalb der Kirchengebäude. Die große Mehrzahl der 80 – 120 Mio. Christen lehnt es weiterhin ab, sich vom Staat registrieren und damit von Regierungs- behörden überwachen und bestimmen zu lassen. Doch konkret stellt sich die Lage der Christen im größten Flächen land Asiens vielfältig dar. Auch auf dem Land unter den sogenannten Untergrundgemeinden gibt es viele Freiheiten. Die meisten werden von der Polizei toleriert. Dabei wissen die Christen, dass sich das jederzeit willkürlich ändern kann. So werden weiterhin auch Gemeinden schikaniert und geschlossen, Gemeindeleiter brutal verhört, zu hohen Geldstrafen und bis zu 3 Jahren Gefängnishaft oder Umerziehungslager verurteilt. Grundsätzlich kann die Polizei Urteile verhängen ohne Gerichtsverhandlung. Selbst registrierte Gemeinden werden gelegentlich geschlossen. Nach Schätzungen sind einige hundert bis zu zweitausend Christen inhaftiert.
Die Regierung muss zur Kenntniss nehmen, dass der christliche Glaube ungebremst Fortschritte macht und alle Schichten der Bevölkerung erreicht. Mehr als eine Million Parteimit gliedern sind bereits Christen geworden (Quelle: Tony Lambert, OMF). Ende des letzten Jahres gab es staatliche Annäherungsversuche mit der freien Hauskirchenbewegung. Das Entwicklungszentrum des Staatsrats arrangierte ein Treffen mit Akademikern, die sich in Hausgemeinden engagieren und führte ein weiteres Gespräch mit sechs protestantischen Hauskirchenleitern. Welche Trends werden sich durchsetzen?
Aktuelle Zeugnisse aus der Provinz Shandong

Quelle: Bibel Liga
Bao*
Zu allererst sage ich Danke für Eure Unterstützung! Die Studienbücher helfen uns sehr, geistlich zu wachsen. Es gibt hier kaum etwas Vergleichbares zu finden. Die Wahrheit der Bibel zu kennen ist hier in China so wichtig. Verschiedene Kulte verursachen immer wieder Probleme in den Gemeinden. Ich hoffe, dass Gott mich noch effektiver in seinem Reich einsetzen kann.
Fang*
Ich danke Gott von Herzen für die Bibelstudien „Neues Leben – Neues Verhalten“. Diese Jüngerschaftsschulung befähigt Christen von Grund auf, geistliche Erkenntnis zu gewinnen und im Glauben zu wachsen; und sie helfen, eine intensivere Beziehung zu Gott zu bekommen. Sie haben mein Leben total verändert!
Wang*
Im Namen Jesu Christi grüße ich euch! Ich bin Student einer Bibelschule und danke euch für eure Liebe und Fürsorge, mit der ihr uns durch vielerlei Bibelmaterial unterstützt. Bevor ich die Bibelschule besuchte, war ich ein ganz „normaler“ Christ. Ich wusste ein wenig von der Bibel, doch ich verstand nicht viel. Meine Beziehung zu Gott erschöpfte sich darin, ihn um viele Dinge zu bitten – doch wie man ihm dankt und ihn lobt, das wusste ich nicht. Hier lerne ich, dass Gott nicht nur ein Gott ist, der hilft und beschenkt. Ich weiß, dass unser Leben ihn in allen Dingen verherrlichen soll. Unser Leben soll dazu dienen, das Königreich Gottes auszubreiten. Heute verstehe ich die Inhalte der Bibel viel besser. Früher wurde die Auslegung stark von meinen Gefühlen bestimmt und ich bin über die Fehler, die ich dadurch gemacht habe, sehr traurig. Heute erkenne ich, was die Bibel aussagt, und ich stelle mich zu dem, was sie sagt. Die Buchhefte, die ihr uns zur Verfügung gestellt habt, helfen mir sehr in meinem Dienst für Gott. Für IHN will ich das Beste geben!
*(Die Namen wurden aus Sicherheitsgründen geändert)


