Das Gefängnis von Sodo
Viele afrikanische Gefangene fristen ein hoffnungsloses Dasein. Oft herrscht in den Haftanstalten erbarmungsloser Strafvollzug. Das Gefängnis von Sodo, 400 km südlich von Addis Abeba, ist anders. Kaum haben wir das Gittertor durchschritten, lädt uns der Commander (Chef des Gefängnisses) zu uneingeschränktem Fotografieren ein. Selbst Pastor Abera, unser äthiopischer Übersetzer, staunt. Der Commander fürchtet keine Nachteile durch die Veröffentlichung von Fotos, weil er seine Gefangenen gut behandelt. Vom Gouverneur wurde das Gefängnis für vorbildliche Resozialisierungsarbeit prämiert. Lukas Teka kümmert sich um die Belange seiner Gefangenen. Er ist ein überzeugter Nachfolger Jesu und leitet schon seit acht Jahren diese Einrichtung. Im Gefängnis gibt es derzeit 1.460 Insassen und 76 Polizeibeamte. Zwei ehrenamtliche Evangelisten arbeiten eng mit der Gefängnisleitung zusammen. Sie besuchen das Gefängnis wöchentlich und nutzen das Material der Bibel Liga. Die beiden haben etliche Häftlinge zu Kleingruppenleitern ausgebildet. Das Gefängnis gleicht einem großen Dorf. Auf dem Gelände verdienen sich mehr als 100 Personen mit Webarbeiten oder Nähmaschinen ein Zubrot. Nicht das Gefängnis, sondern die Gefangenen selber erhalten den Gewinn, und sind so voller Tatendrang bei der Arbeit. Farbenfrohe Erzeugnisse entstehen. In einem Unterrichtsraum treffen wir auf 25 lernbegierige Männer, die sich gerade mit interessanten Fragen des menschlichen Organismus auseinandersetzen. Jeder Gefangene kann sich weiterbilden, doch nur die Willigen drücken nochmals die Schulbank. Eine kleine Bibliothek erfreut sich großer Beliebtheit. Im Zentrum des Areals finden wir einen Marktplatz mit vielen Verkaufsständen. Alles wird von den Gefangenen selber organisiert. Wenige Meter davon entfernt: Tischtennisplatten und ein Volleyballfeld. Die Mannschaften sind mit vollem Ernst in das Spiel vertieft.
Schließlich stellt uns Lukas Teka das Gemeindegebäude vor. Im Raum haben wohl 500 Personen Platz. Von den 1.460 Gefangenen sind inzwischen über 600 Nachfolger Jesu. Wir feiern gemeinsam einen Gottesdienst zusammen mit dem Gefangenenchor. Die bunten Chorgewänder wurden im Gefängnis selber genäht. Pastor Abera spricht darüber, warum er Gott und seinem Wort vertraut. Feierlich werden in diesem Gottesdienst Bibeln an die 200 Bibelstudiengruppen-Absolventen übergeben. Nicht nur Gefangene, sondern auch Wächter haben an diesen Bibelgruppen teilgenommen. Gemeinsam lesen sie die Bibel und gemeinsam beten sie für die Anliegen im Gefängnis. Wir verlassen tief beeindruckt diesen Ort der Perspektive und Hoffnung. Beim Abschied bezeichne ich Lukas Teka als „Bürgermeister eines gesegneten Dorfes“. Er lacht und bittet uns, für sein Gefängnis zu beten, weil er weiß, dass auch dieser Ort ohne den Segen des Gebets nicht möglich wäre.
Die "Wanza Kale Heywet Gemeinde" in Alaba. Dort sind 95% der Bevölkerung Muslime.
Viele Besucher finden im Gebäude keinen Platz. Aber sie wollen den Gottesdienst nicht verpassen.
150 Frauen und Männer haben einen Bibelkurs der Bibel Liga absolviert
Jetzt warten sie auf ihre erste eigene Bibel.
Jeder Teilnehmer erhält eine Urkunde und eine Bibel in Amharisch
Was für eine Freude! Endlich eine eigene Bibel!
Gottesdienst in Alaba
Frühmorgens um 6.00 Uhr starten wir im Südwesten Äthiopiens von Durame, einer kleineren Stadt mit sehr hohem protestantischen Bevölkerungsanteil. Unser Ziel: Alaba, eine muslimische Hochburg mit knapp 300.000 Einwohnern; 95% davon sind Muslime. Sie wollen Alaba zu einer heiligen Stadt mit islamischen Sonderrechten erklären. Dies wurde bisher aber von der äthiopischen Regierung strikt abgelehnt. In der Stadt gibt es fünf protestantische Gemeinden. Wir sind bei der „Wanza Kale Heywet Gemeinde“ eingeladen. Die Gemeinde hat inklusive der Kinder 1.800 Mitglieder. Der Gottesdienst startet um 7.00 Uhr morgens mit ersten Gesängen. Gegen 8.15 Uhr sind dann auch die „Verspäteten“ da. Das Gebäude platzt aus allen Nähten. Viele Besucher sitzen vor dem Gebäude. Die Lobpreis- und Gebetszeit ist begeisternd. Gegen 9.00 Uhr starte ich mit meiner Predigt über das Thema „Einheit“. Die Gemeinde ist sehr aufmerksam. Der Gottesdienstleiter ruft nach der Predigt zur persönlichen Hinwendung an Jesus auf. Zwei junge Äthiopier öffnen ihr Herz für Jesus. Einer davon ist ein 13-jähriger Muslim. Sein Vater ist vor geraumer Zeit gestorben. Seine Mutter hat wieder geheiratet, aber in der neuen Familie ist er nicht mehr richtig willkommen. Er ist das erste Mal in dieser Gemeinde und spürt die Liebe Gottes. Voller Freude startet er in die Jesusnachfolge. Sein muslimisches Umfeld wird wohl in den kommenden Monaten seinen Glauben auf den Prüfstand tellen. Bitte beten Sie für ihn. Auch in dieser Gemeinde haben in den letzten Monaten 150 Frauen und Männer einen Bibelstudienkurs der Bibel Liga absolviert. Unter rhythmischem Klatschen der Gottesdienstbesucher werden sie mit einer Urkunde und einer Bibel beschenkt. Die Gemeinde ist seit drei Jahren aktiver Partner der Bibel Liga.
Nach dem Gottesdienst berichten Lebo, ein ehemaliger Moslem und seine Frau über Gottes abenteuerliches Wirken in ihrem Leben. Lebo hatte das Wort Gottes schon mit zwölf Jahren geschenkt bekommen, aber kein wirkliches Interesse daran. So verschenkte er kurzerhand das wertvolle Buch. Am Anfang seiner Ehe hatte seine Frau einen besonderen Traum. Darin wurde sie mit ihrem Mann aufgefordert, die Bibel wieder zurückzuholen und in ihr zu lesen. Der Mann lehnte das ab und verlies stattdessen für vier Jahre seine Frau, um bei einem Zauberer zu leben. Der Magier versprach ihm Luxus und Ehre. Aber nach einiger Zeit war der „Meister“ über seinen Schützling verärgert und bestrafte ihn mit der Aufhebung des ursprünglichen Versprechens. Der Mann ging zurück zu seiner Frau und kam über Umwege wieder in den Besitz seiner alten Bibel. Das Zeugnis eines ehemaligen muslimischen Gelehrten, der selber Christ geworden war, räumte letzte Vorbehalte weg. Er und seine Frau bekannten ihre Sünden und vertrauten Jesus ihr Leben an.
Beim Abschied bitten uns die Leiter der Gemeinde um Gebetsunterstützung. Manche Gemeindemitglieder und sogar ausländische Missionare sind Richtung Durame umgezogen, weil ihnen die Luft in Alaba „zu dünn“ geworden ist. Bitte beten Sie um Durchhaltevermögen für die fünf Gemeinden, die wie Leuchttürme in der Finsternis sind.
Interview mit W. Bufebo, Leiter der Bibel Liga in Äthiopien

Quelle: Bibel Liga
In dieser Region südlich der Hauptstadt leben 90% Muslime. Wie verbreitet die Bibel Liga hier Gottes Wort?
Wir schulen die Gemeinden wie überall im Land mit Projekt Philippus. Erst im Februar feierten hier 450 Christen den Abschluss ihres Jüngerschafts- kurses während einer gemeinsamen Abschluss- konferenz. Mehr als die Hälfte von ihnen waren Teenies und Jugendliche. In erster Linie geben sie aber nicht Muslimen das Evangelium weiter sondern Animisten, die hier etwa 8% der Bevölkerung ausmachen. Muslimen gegenüber sprechen sie nicht direkt von Christus. Stattdessen ehren sie ihre muslimischen Nachbarn, indem sie ihnen das evangelistische Einstiegsheft persönlich schenken. Das ist eine gute Methode. Die Lektionen sind leicht durchzuarbeiten. Auf diese Weise finden einige direkt zum Glauben an Christus.
Wir sind vorhin einem 15jährigen Jugendlichen begegnet, dem die Gemeinde auf ihrem Grundstück Schutz gewährt. Warum wird er verfolgt?
Der Junge fand im September zum Glauben an Jesus. Seine Familie steht unter dem Einfluss des hier bekanntesten Imam und verfolgt erbarmungslos jeden, der zum Glauben an Christus findet. Die Gemeinde hat ihn aufgenommen und versorgt ihn. Ginge er jetzt in seine Heimatstadt zurück, müsste er um sein Leben bangen. Die Gemeinden erleben eigentlich permanent Verfolgungsdruck. In den letzten drei Jahren sind z.B. zwei christliche Leiter umgebracht worden. Von Saudi Arabien kommen gezielt Spezialisten hierher, um Muslime an zuleiten, Andersgläubige zu töten. Aber dank der Zurüstung mit Gottes Wort sind die Gemeinden hier im Glauben sehr stark.
Trotzdem besuchen viele Kinder aus muslimischen Familien die Sonntagsschulen der Gemeinden. Steht das nicht im Widerspruch dazu?
Muslime lieben ihre Kinder. Sie legen ihnen keine Steine in den Weg, wenn sie die Kinderstunden besuchen wollen. Ansonsten genießen Frauen und Kinder im Allgemeinen wenig Freiheit. Auf dem Gelände der Gemeinde aber erfahren sie eine wohltuende Atmosphäre. Es wird gesungen, gelacht und gespielt. Sie erleben Konferenzen, Musik und Lobpreis. Manchmal sponsern wir ihnen auch einen Handball oder Basketball. Sie kommen einfach gern. Außerdem gründen die Gemeinden gerade in muslimischen Gebieten strategisch gezielt säkulare Schulen und unterrichten dort Kinder aus allen Bevölkerungsteilen. Der Staat unterstützt diese Initiativen. Denn nur 30% der Kinder gehen hier zur Schule. Es ist daher sehr leicht, über Ausstattung und Atmosphäre in den Dorfschulen Kinder mit dem Evangelium in Berührung zu bringen – sei es durch Schauspiel, Spiele, Gebete, Freundschaften und Kontakt mit Kindern aus Christenfamilien. Viele Muslimkinder erfahren, dass Jesus lebt. Und später – wenn sie Teenies und Jugendliche geworden sind – können sie ihren eigenen Weg mit Christus gehen.
Wie groß ist der aktuelle Bedarf an Bibeln?
In Äthiopien fehlen allein für Gläubige aus evangelikalen Gemeinden und Interessierte aus der orthodoxen Orthodoxen Kirche ca. 22 Millionen Bibeln (Analphabeten sind schon abgezogen). Während der siebzehnjährigen Regierungszeit der Marxisten war der Druck und Import von Bibeln extrem gedrosselt worden.
Warum sind Bibeln gerade jetzt so wichtig?
Durch das enorme Gemeinde wachstum der letzten Jahre ist die Bibellücke noch größer und schmerzlicher geworden. Außerdem unterwandern derzeit arabische Muslime das Land mit einer neuen Welle der Islamisierung. Sie schaffen alle möglichen sozialen und persönlichen Anreize, damit die Menschen zum Islam konvertieren. Etwa 40% der Bevölkerung rechnen sich bereits dazu. Ohne Bibeln sind die vielen neuen Christen dem Ansturm kaum gewachsen.
Aus dem Reisetagebuch von Michael Münster, Bibel Liga Vorstand

Quelle: Bibel Liga
Sonntag 24. Juni:
7.00 Uhr Aufstehen. Scharfe Spaghetti zum Frühstück. 8.00 Uhr Gottesdienst mit Predigt über Mt 4 – Versuchung Jesu. Ab 11.00 Uhr Unterweisung von Rückfälligen, Ermahnung. Mittagessen auf dem Gelände. Ich bin beeindruckt von der geistlichen Ausstrahlung der Gemeinde. Ich habe mit einem 100-jährigen Mann gesprochen. Er heißt Leke Ashagre. Zwei Tage ist er gelaufen, um im Gottesdienst dabei zu sein und um die Gemeinde- ältesten zu bitten, auch in sein Dorf Evangelisten zu senden. Seit kurzem gibt es in seinem Dorf eine Gemeinde von 25 Christen. Er ist seit 50 Jahren Christ, hat auch Verfolgung erlebt, wurde im Gefängnis bedroht und geschlagen, um seinen Glauben zu verleugnen. Oft geht er in eine einsame Höhle, um für sein Volk zu beten. In der Tolola Kirche wird jeden Tag morgens um 6.00 Uhr und abends um 17.00 Uhr jeweils für eine Stunde gebetet. Es wird für Kranke gebetet, Dämonen werden ausgetrieben. Auffällig viele Menschen in der Gegend um Chencha sind von Dämonen bedrängt. Manchmal reden Menschen mit einer anderen Stimme, oft werden sie innerlich regelrecht getrieben sich umzubringen. Sie springen von Felsen oder ins Feuer. Wenn Menschen frei geworden sind, werden sie gefragt, ob sie Christen werden wollen. Diejenigen, die Christus annehmen, haben nie wieder Probleme mit Dämonen.
Dienstag 26. Juni:
Ich habe den Verantwortlichen der Bibel Liga in Arbaminch getroffen – Bejene. Arba Minch hat ca. 80.000 Einwohner. Von den 14 Distrikten der Südwestzone ist er für 4 Distrikte zu ständig. Für die laufende Arbeit benötigt er 2500 Neue Testamente und 2500 Bibeln, bekommt aber keine. Die Lager sind leer. Projekt Philippus wird auch im Gefängnis durchgeführt. In der letzten Woche haben 94 Häftlinge ihr Bibelkurszertifikat und Bibeln erhalten. – An der Universität nutzen ca. 400 Studenten das PP. – Vor drei Wochen war eine Zertifikatsverleihung mit Bibelübergabe in dem Dorf Gerese Goratte. 500 Menschen absolvierten das Projekt Phillipus, davon waren 259 Zauberer. Alle haben eine Bibel erhalten. – Bejene sagt, die Nachfrage nach Projekt Philippus sei sehr groß.



