Wort-Impulse

Kurzer Impuls zum Nachdenken von Reinhard Kannenberg.

 

Die Bibel Liga verfolgt mit ihrem Dienst zwei Ziele: Menschen sollen zum Glauben an Jesus finden und Teil seiner Gemeinde werden. Letzteres liegt uns sehr am Herzen. An dieser Stelle erläutern wir das biblische Anliegen. (Lesezeit jeweils 2-3 Minuten)

Leib-Versammlung im Namen Jesu

Wir haben in den vorlaufenden Artikeln herausgearbeitet, dass Christus und seine Gemeinde eine geistliche Lebenseinheit bilden, als Haupt und als Leib. Wer zum Glauben an Jesus kommt, wird immer auch der Gemeinde hinzugefügt (Apostelgeschichte 2,47; 16,5). Dem Ruf zu Jesus, dem großen "ich", folgt die Integration in die Gemeinde, dem neuen "wir". Die Konsequenzen liegen auf der Hand.

 

1. Konsequenz: Alle Leibglieder sind einander zugeordnet (siehe 1. Korinther 12 bis 14; Römer 12). Ein Körperglied ist vom anderen abhängig, empfängt Leben und Liebe und gibt selbst beides an andere weiter. Vom Leib losgelöste Glieder sind eine unmögliche Möglichkeit. Solo-Christentum gibt es im Neuen Testament nicht!

 

2. Konsequenz: Man feiert Gottesdienst im Namen Jesu (vgl. Matthäus 18,20). Der Name bedeutet hier, dass Jesus selbst anwesend ist und für alles die Initiative ergreift. Der Name ruft und führt die Glieder zusammen. Wenn das Haupt sich mit seinen Leibgliedern „treffen“ will, kommen alle zum Gottesdienst zusammen, die in Christus einen Leib bilden. Man „besucht“ keinen Gottesdienst, sondern versammelt sich als Leib-Gemeinde und bringt sich dienend ein (vgl. 1. Korinther 14,16ff).

 

3. Konsequenz: Die Leib-Gemeinde sucht mit ihrem Haupt eins zu sein und verfügbar für das, was er wirken will. Was die Gläubigen im Namen Jesu tun, tun sie in Übereinstimmung mit seinem Willen, in seiner Vollmacht und zu seiner Ehre. So lebt Christus in ihrer Mitte, und so handelt er durch sie.

 

Die Lebens- und Dienstgemeinschaft im Leib Christi ist auf Ewigkeit hin angelegt. Sie beginnt hier und jetzt und hört nicht mehr auf. Trotz aller Schwachheit der einzelnen Glieder schafft sich das Christus-Leben einen neuen Organismus und wird zum Ziel kommen.

 

 

Jesus baut seine Gemeinde

Warum kam Jesus in diese Welt? Nach der Botschaft des Matthäusevangeliums kam er zu uns, um Menschen von ihren Sünden zu retten (Matthäus 1,21), ihnen die Teilhabe am Reich Gottes zu ermöglichen (Matthäus 4,17) und um seine Gemeinde zu bauen (Matthäus 16,18). Vergebung und Reinigung von den Sünden ist das Erste, was Menschen brauchen. Teilhabe an der neuen Welt Gottes und Bau der Gemeinde aber sind das eigentliche Ziel.

 

Der Bau seiner Gemeinde steht für Jesus ganz oben auf der Prioritätenliste. Jedem Christen sollte nichts so sehr am Herzen liegen, als dass Jesus seine Gemeinde bekommt. In unseren Breitengraden und weltweit. Wenn die Gemeinde zahlenmäßig und reifemäßig am Ziel ist, wird er wiederkommen, um das Reich Gottes vollständig aufzurichten und die Welt endgültig von allem Bösen zu befreien. Der Bau seiner Gemeinde ist das wichtigste, größte und herrlichste Unternehmen Gottes in unserer Welt und Zeit. Und das schwierigste zugleich.

 

Denn es ist kein Menschenwerk, sondern ein Gotteswerk – aber mit Menschen und nicht ohne sie. Die Gemeinde, die Jesus baut, ist ein geistlicher Organismus, nicht eine irdische Organisation. Dennoch tritt sie in dieser Welt sichtbar und organisiert auf. Ihre Wurzel und Lebensquelle aber bleibt unsichtbar und verborgen. Nach außen hin trägt sie verschiedene Namensschilder – große oder kleine Kirchennamen und viele andere Namen. Aber keiner dieser Namen spiegelt vollständig wieder, was uns im Neuen Testament von Gemeinde gesagt und gezeigt ist, z. B. im Epheserbrief oder zuletzt in Offenbarung 2 und 3. Umso mehr sollten wir alles daransetzen, mit Jesus vorwärtszugehen. Wie baut Jesus seine Gemeinde?

 

Jesus formt Jünger und teilt sein Leben mit Ihnen

Wie baut Jesus seine Gemeinde? Jesus tut es, indem er Menschen in seine persönliche Nähe ruft, sie in ein besonderes Verhältnis zu sich und zueinander stellt. Er teilt mit ihnen sein Leben, seine Botschaft und seine Vollmacht. Er formt sie zu Jüngern und gibt ihnen eine neue Identität. Mitten im alttestamentlichen Gottesvolk gründet er den Kern einer neuen Gemeinschaft von Gläubigen, bestehend zunächst aus Juden und dann auch aus Heiden. Basis für das neutestamentliche Gottesvolk ist alles, was Jesus lehrt und lebt, wofür er stirbt und aufersteht.

 

Mit der Ausgießung des Heiligen Geistes sind alle geistlichen Vorraussetzungen für den Weiterbau der Gemeinde gegeben. Von diesem Zeitpunkt an baut nicht mehr der irdische, sondern der gekreuzigte auferstandene und erhöhte Herr seine Gemeinde. Durch die Verkündigung des Evangeliums ruft Jesus Menschen – wie schon in den drei Jahren seines irdischen Dienstes – unter seine Herrschaft und integriert sie in seine Jüngerschar.

 

Das Besondere seit Pfingsten ist, dass Jesus – obwohl auf dem Thron zur Rechten Gottes sitzend – zugleich auch in seiner Jüngergemeinde anwesend ist. Nicht mehr körperlich, sondern durch seinen Namen und durch seinen Geist. Wo immer er Gemeinde sammelt und versammelt, lebt er mit und unter den Seinen, teilt er mit ihnen sein Auferstehungsleben, lehrt sie durch seine Boten und eint sie durch eine neue tiefe Beziehung miteinander (vgl. Matthäus 28,20; Apostelgeschichte 2,42–47).

 

 

Die Gemeinde bildet den Leib von Jesus Christus

Der Apostel Paulus definiert Gemeinde als etwas, was unmittelbar zu Jesus Christus selbst gehört. Alle, die in Christus sind, bilden einen lebendigen „Körper“, nämlich den „Leib Christi“ (1. Korinther 12,27; Römer 12,5). Jeder einzelne Gläubige ist ein Glied an diesem Leib (1.Korinther 6,15). Paulus denkt dabei sowohl an die Gemeinde am Ort (Korinth oder Rom), als auch an die Gemeinde im weltumspannenden und universalen Sinn.

 

Der Leib des Christus ist eine neue geistliche Schöpfung. Dieser Leib ist ein lebendiger Organismus, der „Körper“ eines Jemand, der in ihm lebt, nämlich Jesus Christus. Dieser Leib entsteht seit Pfingsten und wird in der zukünftigen Welt vollendet. Die Lehre vom Leib Christi gehört zu den größten, schönsten und auch herausforderndsten Gedanken im Neuen Testament. Manche deuten die oben genannten Stellen vom Leib nur als Bildvergleich des Apostels, der hier besonders die Einheit und das Miteinander der Ortsgemeinden erklären will. Aber Gemeinde Jesu lebt und „funktioniert“ nicht nur wie ein Körper, sie ist der Körper von Jesus Christus.

 

Paulus spricht in der Tat von einem Geheimnis, das nicht ohne den Geist Gottes verstanden werden kann. Nach dem Plan Gottes offenbart Christus das Geheimnis Gottes (Kolosser 2,2), während die Gemeinde „das Geheimnis Christi“ (Epheser 3,4) sichtbar macht. Die Gemeinde hat Christus als „Haupt“ über sich und verkörpert als dessen Leib seine „Fülle“ (Epheser 1,22.23). Seine ganze Lebensfülle. Als wahrer Gott und wahrer Mensch.

 

Gemeinde für Christus

Die neutestamentliche Lehre vom „Leib Christi“ fordert uns heraus. Was ist mit „Leib“ gemeint?

 

1. Gemeinde ist zuallererst etwas, was Jesus Christus selbst braucht. Ohne Gemeinde fehlt ihm etwas. Als Jesus vom Tod auferstand, waren Sünde, Tod und Teufel zwar besiegt, und an der Errettung des Menschen fehlte nichts. Aber für Gott war etwas Entscheidendes noch nicht verwirklicht: Es gab für Christus noch keinen „Leib“. Wie ist das gemeint?

 

Der Wille Gottes ist, alles unter das Haupt von Christus zu bringen. Alles, was im Himmel und auf der Erde existiert, das Sichtbare und das Unsichtbare, soll unter seine Herrschaft kommen und vereint werden (Epheser 1,9ff). Für dieses Ziel braucht das Haupt einen Leib, einen universalen Lebenskörper, durch den der Sohn Gottes seine ganze Lebensfülle und Macht ausbreiten kann. „Er das Haupt, wir seine Glieder“ (Zinzendorf).

 

2. Jesus Christus ist nicht nur das Haupt über alle Mächte und Dinge. Er ist durch seine Auferstehung zum „zweiten Adam“, zum Stammvater einer ganz neuen Menschheit geworden (1. Korinther 15,47). Jeder, der das Evangelium angenommen hat, jeder der „in Christus“ ist, gehört zu dieser neuen Christus- Schöpfung (2. Korinther 5,17). Anders gesagt: Christus und alle, die sein Eigentum sind, bilden gemeinsam mit ihm einen „neuen Menschen“ (Epheser 2,15).

 

Beide genannten Aspekte – „Haupt und Leib“ sowie „der neue Mensch“ – lassen ahnen, was für eine große Bedeutung und Berufung die Gemeinde Jesu hat.

 

Bleibt zu fragen: Bin ich nur für mich Christ geworden? Oder lebe ich für Christus und seinen Leib, seine Gemeinde?

 

 

Gemeinde – Leib und Geist

Wie entsteht Gemeinde als Leib von Christus? Der Leib entsteht durch den Geist Gottes. Nach dem Neuen Testament haben Christen den Heiligen Geist empfangen, sie sind Geistträger. Dieser Geist bewirkt auch, dass viele Einzelne ein Leib in Christus werden. „Denn wir alle … sind mit demselben Geist getauft worden und haben von derselben Quelle, dem Geist Gottes, zu trinken bekommen, und dadurch sind wir alle zu einem Leib geworden.“ (1. Korinther 12,13 NGÜ) Anders gesagt: „Weil wir alle mit demselben Geist getauft wurden, sind wir jetzt ein einziger Leib.“ (Üb. Berger)

 

Gottes Geist selbst gliedert in die Gemeinde Jesu ein. Dieser Vorgang oder Prozess ist nicht einfach zu beschreiben. Von Christus aus gesehen besteht dieser Gemeinde-Leib schon. Jeder, der Jesus als Retter annimmt, der sich unter seine Herrschaft begibt und den heiligen Gottesgeist empfängt, wird „eingemeindet“.

 

Vom Geist aus gesehen, der seit Pfingsten ausgegossen ist, wird jeder Christus-Gläubige mit anderen Christen verbunden und zusammengefügt. Dies geschieht in der Praxis in dem Maß, wie der einzelne Gläubige sich vom Heiligen Geist erfüllen (= beherrschen) lässt. Indem Gemeinde sich vom Heiligen Geist erfüllen lässt, lebt und herrscht Christus in ihr, ist Leib-Christi-Realität da. Sein Geist regiert die einzelnen Glieder. Das ermöglicht ihnen, gemeinsam als Leib-Gemeinde zu leben und Christus sichtbar zu machen. Andernfalls bleibt alles nur Theorie.

 

Wirkt der Heilige Geist in mir dieses Leib-Bewusstsein?