Vorwort zum Bibeltagebuch "365"
Ich mag solch eine Einladung - vor eine saubere Seite gesetzt zu werden, einen guten Stift zur Hand, nun schreib mal! Die Frage ist nur: Was soll ich schreiben? Soll ich etwas abschreiben, irgendetwas aufschreiben, einfach etwas hinschreiben oder was?
Das vorliegende Buch ist die Einladung zu einem hörenden Schreiben. Bibeltexte (oben auf der Seite) geben den Ton an. Sie sind wie eine angeschlagene Glocke. Ich lese sie langsam, nach Möglichkeit laut, auf jeden Fall hörend: „Gott, mein Gott, was sagst du mir?“ Die inneren Antennen sind ausgerichtet auf den Gott, der redet. Das Beten danach wird zur „Praxis der Gegenwart Gottes“ (Bruder Lorenz - franz. Mönch 1611-1691), es ist schlichte Reaktion auf seine Anwesenheit.
Und mein Schreiben? Nun, es könnte so sein: Reaktion auf den Glockenton, den ich gehört habe. Antwort auf das Gehörte. So formuliere ich heute vielleicht ein schriftliches Gebet. Morgen eine Art Tagebuch-Notiz. Einfach das, was meinem Hören auf Gott und seiner Nähe angemessen ist. Übrigens: Rückschauend, nach Zeiten, zeigen die beschriebenen Seiten manchmal einen roten Faden und werden zu Wegweisern. Das ist wertvoll in einer Welt zahlreicher Missweisungen.
Möge dieses Buch dem Hören auf Gott neue Flügel verleihen!
Hans-Peter Wolfsberger




